Ibn Battutas Reise nach Mekka erfolgte auf dem Landweg entlang der
nordafrikanischen Küste, bis er über
Alexandria
Kairo erreichte. Hier
befand er sich auf relativ sicherem mameluckischem Gebiet und begab sich auf
seinen ersten Abstecher vom Weg. Damals gab es drei übliche Reisewege nach
Mekka, und Ibn Battuta wählte die am wenigsten populäre: eine Fahrt
nilaufwärts, dann östlich
zur Hafenstadt Aidhab am
Roten Meer. Als er dort ankam, musste er jedoch wegen eines örtlichen
Aufstandes wieder umkehren.
Zurück in Mekka, machte er sich auf einen zweiten Umweg nach
Damaskus, (damals
ebenfalls unter mameluckischer Kontrolle), nachdem er vorher einen "heiligen
Mann" getroffen hatte, der ihm geweissagt hatte, er würde Mekka erst nach
einer Reise durch Syrien
erreichen. Ein weiterer Vorteil seines Umweges war, dass die anderen
heiligen Stätten am Weg lagen -
Hebron,
Jerusalem und
Bethlehem z.B. - und
die mameluckischen Behörden sich besonders bemühten, diesen Pilgerweg zu
sichern.
Nachdem er den Fastenmonat
Ramadan in Damaskus
verbracht hatte, schloss sich Ibn Battuta einer Karawane an, die die 800
Meilen von Damaskus nach
Medina, dem Begräbnisort des Propheten Mohammed, zurücklegte. Nach vier
Tagen dort reiste er weiter nach Mekka. Er absolvierte die Rituale, die für
die Erlangung seines neuen Status als Hadschi notwendig waren, und hatte nun
seinen Heimweg vor sich. Nach kurzer Überlegung, entschied er sich
stattdessen dafür weiter zu reisen. Sein nächstes Reiseziel war das Reich
der mongolischen
Ilchane, das auf dem
Gebiet des heutigen Iran/Iraks
liegt.
Er schloss sich wiederum einer Karawane an und überquerte mit ihr die
Grenze nach
Mesopotamien, wo er Nadschaf besuchte, den Begräbnisort des vierten
Kalifen Ali. Von hier
reiste er nach Basra,
anschließend nach Isfahan,
das nur einige Jahrzehnte später von dem
turkmenischen
Eroberer Tamerlan
beinahe vollständig zerstört werden sollte. Ibn Battutas nächste Stationen
waren Shiraz und Bagdad,
das in schlechtem Zustand war, nachdem es von Hulagu Khan eingenommen worden
war.
Er traf dort auf Abu Sa'id, dem letzten Herrscher des vereinigten
Il-Khanats. Ibn Battuta reiste eine Zeitlang mit der königlichen Karawane
und wandte sich dann Richtung Norden nach Täbris an der
Seidenstraße. Als
erste große Stadt der Region hatte Täbris seine Tore den Mongolen geöffnet
und hatte sich so zu einem wichtigen Handelszentrum entwickelt, nachdem fast
alle seiner Nachbarstädte zerstört worden waren.
Nach dieser Reise kehrte Ibn Battita mit einer zweiten Hadsch nach Mekka
zurück und lebte dort ein Jahr lang, um sich dann auf eine zweite große
Reise einzuschiffen, diesmal das
Rote Meer hinunter
entlang der ostafrikanischen Küste. Sein erster großer Stopp war
Aden, wo er plante, ein
Vermögen durch Handel von Waren zu machen, die vom Indischen Ozean auf die
arabische Halbinsel kamen. Bevor er diese Pläne in die Tat umsetzte,
entschied er sich, ein letzten Abenteuer in Angriff zu nehmen, und meldete
sich zu einer Reise Richtung Süden entlang der afrikanischen Küste.
Jeweils rund eine Woche verbrachte er unter anderem in
Äthiopien,
Mogadischu,
Mombasa,
Sansibar und Kilwa.
Mit dem Wechsel des Monsunwindes
kehrte sein Schiff nach Süd-Arabien zurück. Nachdem er diese letzte Reise
vor seiner endgültigen Sesshaftwerdung hinter sich gebracht hatte,
entschloss er sich direkt, Oman und die Straße von Hormus zu besuchen.
Danach reiste er noch einmal nach Mekka, wo er wieder ein Jahr verbrachte
und sich anschließend entschied, sich um eine Anstellung beim muslimischen
Sultan von Delhi zu
bemühen. Um einen Führer und Übersetzer für seine Reise zu finden, ging er
nach Anatolien, das sich unter der Kontrolle der Seljukischen Türken befand,
und schloss sich dort einer Karawane nach
Indien an. Eine Seereise
von Damaskus auf einem
Genuesischen Schiff brachte ihn nach Alanya an der Südküste der heutigem
Türkei. Von dort reiste er über Land nach
Konya und
Sinope an der
Schwarzmeerküste.
Er überquerte das Schwarze Meer und ging in Kaffa auf der
Krim an Land, womit er das
Gebiet der Goldenen
Horde betrat. Bei seiner Fahrt durchs Land traf er zufällig auf die
Karawane von Ozbeg, dem Khan
der Goldenen Horde, und schloss sich seiner Reise an, die auf der
Wolga bis nach
Astrachan führte. In
Astrachan angekommen, gestattete der Khan einer seiner Frauen, die schwanger
war, ihr Kind in ihrer Heimatstadt -
Konstantinopel -
zu bekommen. Man wundert sich nicht, dass Ibn Battutas den Khan überredete,
ihn an dieser Reise teilnehmen zu lassen - die erste, die ihn über die
Grenzen der islamischen Welt hinaus führte.
Gegen Ende 1332 kam er
dort an, begegnete dem Herrscher Andronikus III. und sah die
Hagia Sophia von
außen. Nach einem Monat in der Stadt, folgte er seinem Hinweg zurück nach
Astrachan, um von dort aus hinter das Kaspischen Meer und dem
Aralsee nach
Buchara und
Samarkand zu reisen.
Von dort aus wandte er sich Richtung Süden nach
Afghanistan, um
über die Bergpässe nach
Indien zu gelangen.
Das Sultanat von Delhi war erst kurz vorher islamisch geworden, und der
Sultan wollte soviele islamische Gelehrte und Funktionäre wie möglich
anstellen, um seine Macht zu stärken. Aufgrund Ibn Battutas Studienzeiten in
Mekka wurde er als Kadi ("Richter") von Sultan Muhammed Tuguluq in Dienst
genommen.
Der Sultan war selbst nach damaligen Maßstäben unberechenbar; Ibn
Battutas Rolle schwankte zwischen dem luxuriösen Leben eines Vertrauten des
Herrschers und vielerlei Verdächtigungen und Misstrauen. Schließlich
entschied er sich unter dem Vorwand einer weiteren Pilgerreise das Land zu
verlassen, der Sultan bot ihm als Alternative jedoch an, Botschafter in
China zu werden. Ibn Battuta ergriff natürlich die doppelte Gelegenheit,
sowohl aus der Reichweite des Sultans zu kommen als auch neue Länder zu
bereisen.
Auf dem Weg zur Küste wurde seine Reisegruppe von
Hindurebellen
angegriffen, er wurde von seinen Begleitern getrennt, ausgeraubt und beinahe
getötet. Trotz allem holte er seine Gruppe nach zwei Tagen ein und setzte
seine Reise nach Cambay fort. Von dort aus segelte er nach Calicut im
Südwesten Indiens. Während Ibn Battuta eine
Moschee am Ufer
besuchte, kam ein Sturm auf und zwei seiner Expeditionsschiffe sanken. Das
dritte Schiff ließ ihn am Ufer zurück; es wurde einige Monate später von
einem regionalen König in
Sumatra beschlagnahmt.
Aus Angst, als Versager nach Delhi zurück zu kehren, blieb er eine Weile
im Süden unter dem Schutz von Jamal al-Din. Als er dessen Gastfreundschaft
lange genug genossen hatte, wurde es notwendig, Indien endgültig zu
verlassen. Er entschied sich, seine Reise nach
China fortzusetzen,
allerdings gleich zu Beginn mit einem Umweg über die
Malediven.
Weit mehr Zeit als beabsichtigt, nämlich neun Monate, blieb er auf der
Inselgruppe. Seine Erfahrungen als Richter waren auf diesen abgelegenen
Inseln hochwillkommen, und er wurde - halb durch Bestechung, halb durch
Gewalt - zum Bleiben genötigt. Seine Berufung zum obersten Richter und seine
Heirat in die königliche Familie verwickelten ihn in die Lokalpolitik; als
er einige strenge Urteile fällte, die in der liberalen Inselgesellschaft
nicht akzeptiert wurden, musste er das Land schließlich doch wieder
verlassen. Er wandte sich nach Ceylon, um das religiöse Heiligtum Sri Pada (Adam's
Peak) zu besichtigen.
Als er von Ceylon aus in See stach, sank sein Schiff beinhahe in einem
Sturm - nachdem ein anderes Schiff ihn rettete, wurde es von Piraten
angegriffen. Am Ufer gestrandet, schlug sich Ibn Battuta wieder einmal nach
Calicut durch, von wo aus er wieder auf die Malediven segelte, bevor er an
Bord einer chinesischen Dschunke erneut versuchte, nach China zu kommen.
Dieses Mal glückte der Versuch - er erreichte zügig Chittagong,
Sumatra,
Vietnam und schließlich
Quanzhou in der Provinz Fujian. Von dort aus wandte er sich nach Norden in
Richtung Hangzhou,
unweit des heutigen
Schanghai. Ibn Battuta behauptete außerdem, noch weiter in den Norden,
durch den Großen Kanal (Da Yunhe) nach Peking gereist zu sein, was jedoch
allgemein als Erfindung betrachtet wird.
Bei seiner Rückkehr nach Quanzhou entschied sich Ibn Battuta nach Hause
zurückzukehren - obwohl er nicht recht wusste, wo sein Zuhause eigentlich
war. Zurück im indischen Calicut, erwog er kurz, sich der Gnade des Sultans
Muhammed Tuguluq auszuliefern, überlegte es sich jedoch anders und kehrte
erneut nach Mekka zurück. Auf seinem Weg über Hormus und das Il-Khanat fand
er den Mongolenstaat durch einen Bürgerkrieg in Auflösung begriffen; der
Herrscher Abu Sa'id war inzwischen gestorben.
Als er in Damaskus ankam, um von dort aus seine erste Pilgerreise nach
Mekka nachzuvollziehen, erfuhr er vom Tod seines Vaters. Der Tod blieb in
diesem Jahr auch weiterhin sein Begleiter, weil die Pest ausgebrochen war,
und Ibn Battuta Zeuge seiner Ausbreitung über
Syrien,
Palästina und
Arabien wurde. Nachdem er Mekka erreicht hatte, entschied er sich, nach
Marokko zurückzukehren, beinahe ein Vierteljahrhundert nach seiner Abreise
von dort. Auf der Heimreise machte er einen letzten Umweg über
Sardinien und kehrte
dann nach Tanger zurück - um dort zu erfahren, dass auch seine Mutter einige
Monate zuvor gestorben war.
Aber auch in Tanger hielt es ihn nicht lange - er machte sich auf den Weg
nach Al-Andalus
- das islamische Spanien. Alfonso XI. von
Kastilien drohte
Gibraltar zu erobern,
und Ibn Battuta verließ Tanger zusammen mit einer Gruppe Muslime, mit der
Absicht die Hafenstadt zu verteidigen. Als er dort ankam, war Alfonso ein
Opfer der Pest geworden und Gibraltar war nicht mehr bedroht; Ibn Battuta
setzte seine Reise zum Vergnügen fort. Er reiste durch
Valencia und erreichte
Granada.
Ein Teil der islamischen Welt, den Ibn Battuta niemals erforscht hatte,
war Marokko selbst. Auf seiner Rückreise von
Spanien legte er einen
kleinen Aufenthalt in Marrakesch ein, das nach der Pestepidemie und dem
Umzug der Hauptstadt nach Fez beinahe ausgestorben war.
Wieder kehrte er nach Tanger zurück, und wieder reiste er weiter. Zwei
Jahre vor Ibn Battutas ersten Kairobesuch, hatte der
malische König Mansa Musa
die Stadt auf seiner eigenen Hadsch durchquert und aufgrund seines
protzenden Reichtums Aufsehen erregt - zu diese Zeit kam etwa die Hälfte des
Goldvorrates der Welt aus Westafrika. Auch wenn Ibn Battutas Aufzeichnungen
hiervon nicht explizit berichten, so hatte das Hörensagen dieser Ereignisse
wohl sein Interesse geweckt, da er sich in Richtung dieses islamischen
Königreiches auf der anderen Seite der
Sahara aufmachte.
Im Herbst 1351 verließ
Ibn Battuta Fez und erreichte die letzte marokkanische Stadt auf seiner
Strecke (Sijilmasa) eine gute Woche später. Bei einer der ersten
Winterkarawanen einige Monate später war er dabei, und schon einen Monat
später fand er sich mitten in der Sahara in der Stadt Taghaza wieder. Als
ein Zentrum des Salzhandels war Taghaza überschwemmt von Salz und malischem
Gold - denoch hinterließ die Stadt keinen günstigen Eindruck auf Ibn Battuta.
Er reiste 500 Kilometer weiter durch den schlimmsten Teil der Wüste bis nach
Mali, genauer nach Walata.
Auf seiner Weiterreise nach Südwesten glaubte er, auf dem
Nil zu sein (tatsächlich
war es der Niger),
bis er in die Hauptstadt des malischen Reiches kam. Dort traf er Mansa
Suleyman, der seit 1341
König war. Obwohl ihm die knauserige Gastfreundschaft des Königs suspekt
war, blieb Ibn Battuta acht Monate dort, bevor er nigeraufwärts nach
Timbuktu fuhr. Zu
dieser Zeit hatte die Stadt noch nicht die Größe und Bedeutung, die es in
den nächsten zwei Jahrhunderten erlangen sollte, zur Zeit Ibn Battutas Reise
war es jedoch klein und wenig beeindruckend, und er reiste bald weiter. Auf
halbem Weg seiner Rückreise durch die Wüste - in Agades - erreichte ihn eine
Nachricht des marokkanischen Sultans, die ihn nach Hause befahl. Ende
Dezember 1353 traf er von dieser letzten Reise in Marokko ein.
Auf Veranlassung des Sultans Abu Inan diktierte Ibn Battuta seine
Reiseerlebnisse dem Dichter Mohammed Ibn Dschuzaj. Obwohl einige Orte in dem
entstandenen Werk "Rihla" (Reisetext) offensichtlich seiner
Phantasie entsprungen waren, so stellt es doch eine der genauesten
existierenden Beschreibungen einiger Teile der Welt im
14. Jahrhundert
dar.
Nachdem er "Rihla" veröffentlicht hatte, lebte Ibn Battuta noch 22 Jahre
hochgeehrt in seiner Heimat, bis er im Jahr
1377 starb.
Über Jahrhunderte blieb sein Buch unbekannt, selbst in der islamischen
Welt, und wurde erst im
19. Jahrhundert
wiederentdeckt und in mehrere europäische Sprachen übersetzt. Seitdem gewann
Ibn Battuta an Ruhm, und heute ist er eine bekannte Gestalt des Orients.